Pressestimmen „Die Brüder Löwenherz“

Viel Lärm im Kirschgarten
Abenteuerlustig und mutig geht’s zum Finale ins geheimnisvolle Land des Drachen Katla: Mit Astrid Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“ in Zeno Staneks Regie beendet Thomas Birkmeir im Renaissancetheater seine erfolgreiche erste Saison als Direktor.
„Warum gibt es im Theater auch Ferien“, hört man staunend im Publikum. Und wenn auch das runderneuerte Theater der Jugend Sommerpause macht, seine jungen Fans werden ihm treu bleiben. Denn selbst bei der letzten Premiere war die Stimmung bestens, und die abenteuerliche Reise mit Krümel und Jonathan nach Nangijala, ins Land der Abenteuer und Sagen, gefällt.
Lindgren scheute nie die Probleme der kleinen Leute. Sogar dem Sterben nahm die Doyenne der europäischen Kinderliteratur den Schrecken: Unglück und Krankheit bringen ihre kleinen Helden ins einst paradiesische Jenseits, ins Kirschtal und Heckenrosental, das der böse Tengil zu beherrschen versucht. Lukas Sartori als ängstlicher Krümel und Christian Banzhaf als Jonathan erleben da mit neuen Freunden Gefährliches, aber auch allzu Menschliches wie Verrat, Herrschsucht, Stolz und Trotz.
Rasch wandeln sich die Bilder am Schauplatz des Kampfes zwischen Gut und Böse (Bühne: Andreas Lungenschmid) in der Fassung für das Theater der Jugend von Rogier Hardeman. Eine Szenerie, in der das Heitere dank der sehr menschlichen, komödiantischen und trainierten Rösser Grim (Alexander Braunshör) und Fjalar (Johannes Zeiler) nicht zu kurz kommt.
Regisseur Zeno Stanek mag wohl auch Sagen und Märchen, und so darf der phantasievoll ausstaffierte Drache (Kostüme: Tanja Hauser) schon einmal ordentlich in einiger Entfernung zur ersten Reihe Feuer speien. Bedrohlich schwärzt sich da die Mondnacht, wird der Kirschgarten zum bedrohten Idyll.
Junge Talente wie Simon Jaritz und Uwe Achilles zeigen da ebenso Freude am Ensemblespiel wie die „alten Hasen“ Horst Eder und Peter Steiner. Jubel für die Guten, Lärm und Gezischel für die Bösen! (Thomas Gabler, Kronen Zeitung, 25. Mai 2003)

Wenn Ängste weichen
So muss es im (Kinder-)Theater sein: Buh-Rufe für die Bösen und Jubel für die Guten. Denn im Renaissancetheater kämpfen jetzt Astrid Lindgrens „Brüder Löwenherz“ (in einer Fassung von Rogier Hardeman) gegen den bösen Diktator Tengil und gegen ihre eigenen Ängste. Denn der Tod ist nur eine Reise ins Abenteuer, die in das Wunderland von Nangilima führt, wo Jonathan (präsent: Christian Banzhaf) und Krümel (rührend in seiner Verlorenheit: Lukas Sartori) auch einem Feuer speienden Drachen tapfer Paroli bieten.
Regisseur Zeno Stanek setzt für das Theater der Jugend die Helden (angeführt von Nina Gabriel, Simon Jaritz, Horst Eder und Alexander Braunshör sowie Johannes Zeiler als zweibeinige Pferde!) meist richtig in Szene, zeigt in Andreas Lungenschmids passendem Bühnenbild aber auch die Fratze eines totalitären Regimes. Das Tempo stimmt, die Botschaft auch. (Peter Jarolin, Kurier, 26. Mai 2003)

Transzendenz à la Lindgren
Drachen-Jagd in Nangijala (…) – das Theater der Jugend übertrifft die Festwochen.
Nach einem Wohnungsbrand kommen der kranke Karl, Krümel genannt, und der vitale Jonathan in eine Art Fegefeuer-Land namens Nangijala. Dort herrschen Bürgerkrieg und ein Drache. Transzendenz à la Astrid Lindgren illustriert im Renaissancetheater Zeno Stanek unterm feenhaften Mond und mit einem fernöstlichen Lindwurm. (…)
Die beiden Protagonisten, Lukas Sartori als zagender Karl, der das Fürchten verlernen muss, und Christian Banzhaf als Draufgänger Jonathan überzeugen. Die Bösen sehen leicht außerirdisch aus. Alles in allem wurde ein passender Weg gefunden, den Stoff aus der Frühzeit der Fantasy umzusetzen, ohne deren ureigenste Medien – Film, TV – billig zu kopieren. (Barbara Petsch, Die Presse, 18. Juni 2003)

Abenteuer im Totenreich
Jonathan und Karl sind ein ungleiches Brüderpaar: Jonathan ist gesund, stark und mutig, Karl krank, schwach und ängstlich. Eines Tages hört Karl, wie die Erwachsenen über ihn reden und entnimmt dem Gespräch, dass er bald sterben wird. Als er das Jonathan erzählt meint der, er brauche sich nicht zu fürchten, denn wenn er tot ist, käme er nach Nangijala, einem Land voller Abenteuer.
Als ein Feuer ausbricht, rettet Jonathan seinen Bruder, stirbt aber dabei. Karl folgt ihm erst einige Zeit später ins Totenreich. Wieder vereint bestehen die beiden Brüder aufregende Abenteuer, wie Jonathan es ja auch schon vorausgesagt hatte.
Das Theater der Jugend bringt jetzt im Renaissancetheater eine Bühnenfassung (Rogier Hardeman) des Buches von Astrid Lindgren „Die Brüder Löwenherz“, das 1973 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde.
Ehrlich gesagt, mir persönlich scheint das Ganze – noch dazu für die angepeilte Zielgruppe ab sechs Jahren – zu kriegerisch, doch die von Film und Fernsehen abgehärteten Kids nehmen es sichtlich locker und erfreuen sich einfach an der spannenden Geschichte. Die wird allerdings auch in einer brillanten Inszenierung von Zeno Stanek angeboten, mit faszinierender Licht- und Bühnenbildgestaltung von Andreas Lungenschmid, stimmigen Kostümen von Tanja Hausner und akzentreicher Musik von Christian Mühlbacher und Cristoph Cech. Überzeugend, temperamentvoll, liebenswert, von starker Persönlichkeit sind Christian Banzhaf und Lukas Sartori in den Titelrollen.
Hervorragend Horst Eder. Nina Gabriel, Franziska Werner, Peter Steiner, Simon Jaritz, Herbert Pendl, Klaus Rott, Markus Schöttl, Bertram Mödlagl, Johannes Kaiser, Uwe Achilles, Alexander Braunshör und Johannes Zeiler geben den weiteren Rollen Kraft, Farbigkeit und Profil. (Lona Chernel, Wiener Zeitung, 26. Mai 2003)

 

Inszenierung „Die Brüder Löwenherz“