Pressestimmen zu „Live fast – die young“

Angst und Hilflosigkeit
(cher) Ein kinderloses Ehepaar hat einen kleinen Buben adoptiert. Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass der Junge von Geburt an HIV-positiv ist. Die Eltern versuchen, ihm das Leben so schön und normal als möglich zu gestalten, doch Angst und Hilflosigkeit sind ständige Begleiter. Sie verwöhnen ihn, lassen ihn nicht aus den Augen. Er selbst aber ist rastlos, er rast durch das Leben, könnte man sagen, wie um jede Sekunde 300-prozentig zu nutzen.
Das Jugendstück „Live Fast – Die Young“ der zeitgenössischen Autorin Susi Wirth entstand im Rahmen einer Dramatikerwerkstatt. Realisiert wurde es jetzt im Dschungel Wien von Zeno Staneks PopUp-Theater. Stanek inszenierte mit Schauspielern und Musikern und präsentiert eine faszinierende Aufführung. In altbewährter Manier, so wie man es von diesem dynamischen Regisseur gewohnt ist, baut er eine Atmosphäre atemloser Spannung auf. Fesselnder und berührender Mittelpunkt ist Florian Hackspiel, präsent und darstellerisch hochbegabt. Imponierend sind die Musiker Christoph Habersam, Adrian Röbisch, Dennis Lux, Stephan Kössler und Alexander Yannilos, die nicht nur für die rasante Musikbegleitung sorgen, sondern sich auch ungeheuer diszipliniert in einigen Szenen als Sprecher bestätigen. Profiliert das Schauspielertrio Gisela Salcher, Angela Schneider und Horst Heiss. (Wiener Zeitung)

„Live fast – die young“: Jugendstück zum Thema HIV uraufgeführt
Für eine knappe Stunde widmete sich gestern, Mittwoch, im Dschungel Wien ein neues Jugendstück der Endlichkeit. In „Live fast – die young“ beschäftigt sich die Schweizerin Susi Wirth mit der HIV-Problematik. Das Leben der jungen Menschen mit der Krankheit evoziert unweigerlich die Auseinandersetzung mit dem Tod und Fragen wie: „Zahlt sich eine Ausbildung überhaupt aus?“ Das musikalisch untermalte Stück wurde im Rahmen der Prosa- und Dramatik-Werkstatt “schreibzeit” entwickelt und gestern im Dschungel Wien von Regisseur Zeno Stanek uraufgeführt.
Im Zentrum steht der 19-jährige Patrik. Mit einer Nottaufe beginnt seine Geschichte, denn seit seiner Geburt trägt er das HIV-Virus in sich. Jedes weitere Lebensjahr wird da zur positiven Überraschung, und Patrik versucht, in kürzester Zeit das meiste rauszuholen. Leicht ist es allerdings nicht: Die besorgten Stiefeltern bemühen sich, mit der Herausforderung richtig umzugehen, Themen, die jeden Jugendlichen bewegen, wie Liebe und Sexualität, sind für einen jungen HIV-Positiven Extremsituationen. Und auch „das Nasenbluten ist Scheiße“.
Florian Hackspiel verkörpert den getriebenen, verletzlichen, impulsiven Jugendlichen, der wie ein Showmaster sein eigenes Leben auf der Bühne kommentiert. Gisela Salcher und Horst Heiss spielen spießbürgerliche, doch fürsorgliche Stiefeltern, die den direkten Zugang zu ihrem Sohn verloren haben, Angela Schneider versucht als Psychologin Patrik mit seinen Problemen zu konfrontieren, um ihn aus seiner Zurückgezogenheit zu holen, Alma Hasun steht für die erste Liebe.
Regisseur Zeno Stanek holt die Protagonisten auf die rote Couch (Bühne: Andreas Mathes) und gibt ihren Geschichten viel Raum. „Nehmt euer Leben selbst in die Hand und lebt es!“, lautet seine Botschaft. Den musikalischen Hintergrund dieser Kooperation von PopUp-Theater und Dschungel Wien liefert Hi-Point, die Schulband aus dem Oberstufenrealgymnasium Hegelgasse 14, die einen professionellen Auftritt hinlegt und die Musik selbst geschrieben hat.
„Wenn man sich der eigenen Endlichkeit bewusst ist, erhöht sich die Lebensqualität“, glaubt Autorin Susi Wirth, „das Denken an den Tod spornt zum Leben an.“ Das anzuregen scheint ihr gelungen zu sein. Der Applaus des Premierenpublikums war lang und herzlich. (Klara Vakaj, APA, 18. Oktober 2007)

Live Fast – Die Young im Dschungel Wien
Kraftvolles Jugendmusiktheater über HIV, die eigene Endlichkeit und den Wert des Lebens.
Esist der 21. Juli 1988. 16:30 Uhr. Patrick Paul Peter Pascal Berti kommt auf die Welt und wird sogleich notgetauft . Er ist zu dünn. Dann steht es fest HIV-positiv. Die Ärzte befürchten das Schlimmste. Aber Patrick ist stärker, er überlebt und wird adoptiert, erfahren wir von einem jungen Mann in auffälliger Kleid ung. Wie sich herausstellt ist der bereits 19-jährige Patrick selbst.
Leben mit HIV Ruhelos, rastlos ist der junge Mann. Kein Wunder, hat er doch keine Zeit zu verlieren. Seit er sich erinnern kann, wurde Patrick bestaunt, dass er noch lebt. In jedem Alter. So hat er für sich gelernt jeden Moment auszukosten – bis zum Exzess. Mit seiner Band verleiht er seinen Gefühlen Ausdruck und gibt seinen literarischen Tagebuchtexten die musikalische Form.
Keine Zukunft Hinter seiner zynischen Fassade, mit der er alle Menschen in seinem Umfeld immer wieder aufs Glatteis führt und von sich drängt, versteckt sich aber eine tiefe Traurigkeit, Angst und Unsicherheit: Seine leiblichen Eltern sterben an AIDS. Die Ungewissheit über seine Zukunft mit HIV. Hat er eine? Soll er überhaupt eine Berufsausbildung machen? Wird er die Liebe finden und sie zulassen können? Viele Fragen, von denen er einige nicht mehr beantworten kann, denn sein Ende kommt vollkommen unerwartet für ihn und sein Umfeld. In einer Ironie des Schicksals, bringt das Glatteis – auf das er sein Leben lang andere geführt hat – letzten Endes ihn im wahrsten Sinne des Wortes zu Fall.
Lebensbejahendes Stück Wie schafft man es das Leben schon als junger Mensch ernst zu nehmen und einen Sinn zu sehen? Diese Frage stellte sich die Schweizer Autorin Susi Wirth, als sie das Theaterstück zu „Live Fast – Die Young“ zu schreiben begann. Im Rahmen von „schreibzeit“, einer Prosa- und Dramatik-Werkstatt, vollendete Wirth ihr sprachlich bildreiches Stück und sah am Premierenabend erstmals die Bühnenumsetzung. „Ich bin sehr beeindruckt“, meinte die Autorin. Regisseur Zeno Stanek (PopUpTheater) ist es gelungen das Thema mit großer Ernsthaftigkeit in der Ausdrucksweise und richtigen Mischung von Tragikkomik für die Bühne umzusetzen. Hauptdarsteller Florian Hackspiel überzeugt in seiner Darstellung des getriebenen Patrick. Seine Mimik zwischen Verglühen und Traurigkeit lässt das Theaterpublikum die Zerrissenheit des Charakters spüren.
Ein lebensbejahendes Stück, das in der Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit den Wert des Lebens an sich deutlich macht. Die mitreißende Musik wurde von der Schulband des BORG Hegelgasse 14 selbst komponiert und rundet die Vorstellung mit ihrer professionellen Darbietung ab. (Gabi Matijevic, Kurier, 18. Oktober 2007)

Inszenierung „Live fast – die young“