Pressestimmen zu „Pflugversuch“

Kritiken Waldviertel:
Wer Sommertheater ohne Burg, Schloss oder Stift, ohne Nestroy und ohne Adi Hirschal sehen will, muss weit fahren. Genau 147 Kilometer von der Falter-Redaktion entfernt, in Hörmanns bei Litschau im nördlichen Waldviertel, befindet sich das Theater Brauhaus, wo der Wiener Regisseur Zeno Stanek anders Sommertheater macht – mit richtigen Schauspielern statt halben Stars, zeitgenössischen Stücken und einem echten Kornfeld als Kulisse. Heuer steht eine Uraufführung auf dem Programm; der aufstrebende Dramatiker Volker Schmidt wurde beauftragt, das Genre „Bauerntheater“ neu zu beleben. Unter dem schönen Titel „Pflugversuch“ lieferte Schmidt eine Mischung aus unterhaltsamer Stadt-Land-Komödie und berührendem Künstlerdrama. (Falter, Wolfgang Kralicek)

Uraufführung / „Pflugversuch“ im nördlichsten Theater Österreichs:
Ein Stück über die wesentlichen Fragen des Menschseins.

Schwungvoll im Kuhmist
Das nördlichste Theater Österreichs spielt wieder: Der Klosterneuburger Autor Volker Schmidt schrieb eigens für das Theater Brauhaus in Hörmanns bei Litschau das Auftragswerk „Pflugversuch“. Die Uraufführung fand am 14. August statt. Auf einem Bauernhof mitten im Nirgendwo – könnte also durchaus in Hörmanns sein – siedelt Schmidt sein Stück an. Georg, einst ausgezogen, um in der Großstadt Maler zu werden, kehrt an die Stätte seiner Jugend zurück. Zweck der Reise ist es, den Bauernhof des verstorbenen Vaters zu verkaufen. Was nur als Zwischenstopp geplant war, wird für Georg zur Endstation.
Inszeniert wird die Uraufführungsproduktion von Zeno Stanek, der mit der Kulisse (wieder) viel Sinn für Originalität beweist. Wie in einer Arena wohnen die Besucher dem Schauspiel auf gatschigem Terrain bei – Kuhmistgestank, Ackerkulisse und Stallgeräusche inklusive. In dieser Szenerie entwickelt Stanek ein recht schwungvolles Theaterstück, das gezielt mit Klischees spielt, ohne sie allzu plakativ herauszustreichen. …
Stark ist „Pflugversuch“ vor allem da, wo es um die Inhalte geht. Der Dorfkaiser, der mit aller Gewalt seinen Golfplatz durchsetzen will, das Misstrauen, mit dem einander „Stadtmenschen“ und „Landmenschen“ begegnen, die Existenzkrise des Bauerntums, die Sinnfragen des künstlerischen Schaffens und die nur scheinbare Sinnhaftigkeit des urbanen Lebens – das alles packt Schmidt in sein Stück, das nie Gefahr läuft, ein „Bauernstück“ zu sein. Vielmehr ist „Pflugversuch“ ein Stück über das Menschsein.
Stark die Akteure, allen voran Gisela Salcher. Tatkräftig, bodenständig, mit viel Liebe zur Authentizität mimt Salcher die Maria, die den Betrieb auf dem Hof aufrecht hält – Salcher ist ein Bühnenereignis, das inmitten von Kuhmist und Gatsch keine Sekunde lang an der Ernsthaftigkeit ihrer Mission zweifeln lässt.
Fazit: Tolles Stück, starkes Ensemble, authentische Kulisse – sehenswert! (NÖN, Daniel Lohninger)

Die zauberhaften Produktionen von Zeno Stanek und seinem Team sind längst kein Geheimnis mehr. (Bezirksblätter Gmünd)

Das Ergebnis ist kein „Bauernstück“, sondern ein Stück über das Menschsein. Und das vor der Hörmannser Naturkulisse, inmitten von Kuhmist und Gatsch. Fazit: Tolles Theater mit exzellenten Akteuren vor authentischer Naturkulisse. (Niederösterreichische Nachrichten)

Kritiken Salzburg:
Der Autor skizziert mit treffenden Dialogen in grandioser Weise die aktuelle Situation in der heutigen Landwirtschaft, wertfrei und ohne Schnörkel. Macht es für die Kleinen Sinn weiter zu machen oder soll man verkaufen, so lange es noch etwas bringt? Was sind Traditionen wert? Es wird in der Darstellung der Problematiken kein Klischee ausgelassen. Letztendlich aber liegt die Kraft für Neues dort, wo man seine Wurzeln hat.
Die Inszenierung hat mir sehr gut gefallen, Johannes Zeiler, Elke Hartmann, Gisela Salcher und Hans Danner konnten in ihren Rollen überzeugen. Das Bühnenbild war stark, man hatte das Gefühl, irgendwo am Land zu sein, inmitten von wogenden Getreidefeldern; man konnte die frische Erde förmlich mit allen Sinnen erfassen. Der tosende Applaus des Premierenpublikums war der verdiente Lohn für den beeindruckenden Theaterabend im Salzburger Schauspielhaus. (Dorfzeitung, Karl Traintinger)

Die Zuschauer sitzen um eine erdige Arenabühne. Von den Wänden leuchten Landschaftsfotografien. Der Stallgeruch ist zwar nicht zu spüren, dafür aber sind Muhen, Meckern und Gackern lebensecht zu hören: So schafft man Land auf einer Bühne (Andreas Mathes). Dort hat Regisseur Zeno Stanek die nicht ganz ungebrochenen, aber doch viel zu geradlinigen Klischees, die sich in knorrigen Satzfetzen oder einsilbiger Sprachlosigkeit äußern, liebevoll in Szene gesetzt: artifiziell, bodenständig sozusagen. Es liegt ein Stoff vor, der fernsehtauglich Identifikation ermöglicht und doch kein „Bauerntheater“ ist. […] Gewaltiger Applaus. (Salzburger Nachrichten)

An drei Seiten sitzt das Publikum um den Bühnenbereich, der durch Metallgestänge und Bretter begrenzt ist. Es hat etwas von einem Zoo, etwas ungemein voyeuristisches (Bühne – Andreas Mathes), und sowohl für Schauspieler als auch Publikum ungewohnt, so nahe aneinander zu sein. In dem eingezäunten Geviert ist dann auch alles da, was den Bauernhof ausmacht … Maria (Gisela Salcher – hervorragend) hat den Hof über viele Jahre geführt und macht aus Georg, dem Künstler nun Georg, den Bauern. Und, das sei vorweg verraten, sie schaffen es, diesen gegen alle Widerstände zu halten. Eine interessante Schlüsselfigur wird durch Christoph (Hans Danner), Georgs Freund aus Jugendzeiten, verkörpert, die schwierigste Rolle in dem Quartett, ist er doch Katalysator für die Beziehungsproblematik zwischen Yvonne und Georg (die Sexgeschichte, siehe oben, er fängt was mit Yvonne an) und Beschreiber der Handlung, ähnlich wie in der griechischen Tragödie der Chor, aber eben in einer One-Man-Show. Es sind die einzigen „Brüche“ in dem ansonsten sehr schlüssigen Text. […]

Johannes Zeiler schafft es hervorragend die Spannungen zwischen dem Künstler und dem Bauern, die Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Kunst und die Landwirtschaftsromantik auf die Bühne zu bringen. Gisela Salcher als Maria spielt die Einfache, die Verschlossene, die Vertriebene subtil und sicher. Keine leichte Aufgabe zwischen Hochdeutsch und Dialekt zu wechseln und nicht ins Banale abzugleiten. So naturgetreu uns das Brauhaus die Bühne ins Schauspielhaus liefert, so authentisch wirken die Kostüme (Anna Jaritz).
Der Erfolg des Stückes ist vorprogrammiert, der Publikumsgeschmack wurde getroffen, großer Applaus. (Drehpunkt Kultur, Thomas Gruber)

Inszenierung Pflugversuch