Pressestimmen „Frühere Verhältnisse“

Stolpern über frühere Verhältnisse
Zum fünften Mal gibt es Sommertheater im stimmungsvollen Stadtpark von Schwanenstadt: Am Donnerstag war Premiere von Johann Nepomuk Nestroys Stück „Frühere Verhältnisse“. Ein rundum geglückter Theaterabend.
Der Stadtpark samt Teich, Entengeschnatter – und diesmal auch kurzzeitiger Junikäfer-Invasion – ist schon ein besonders schöner Rahmen für Sommertheater. Das scheint auch Petrus zu gefallen, der bei der Premiere einen lauen Sommerabend zuließ. Möge er bittschön weiterhin für Hochdruckeinfluss sorgen!

Ein Bild aus Puzzleteilen

„Das Fatale an früheren Verhältnissen ist, dass sie später oft aufkommen tun“, sinniert Diener Muffl im Stück. Rund um diese Erkenntnis flicht Nestroy (1801-1862) die ins Chaos führende, aber glücklich endende Handlung um Vertuschung und Enthüllung. Uraufgeführt wurde das 4-Personen-Stück 1862 – mit Nestroy in der Rolle des Muffl.
Eine hübsche Idee ist die grafische Umsetzung des Stückinhalts auf Plakaten und Eintrittskarten für das Sommertheater Schwanenstadt: Vier Puzzleteile, die sich auch im Bühnenbild wieder finden. Gespielt wird nämlich auf einem riesigen, schrägen Puzzleteil, auf dem die von allen aufgebauten Lügengebäude ganz schön ins Rutschen kommen.
Und Ambiente, Bühnenbild, Inszenierung und darstellerische Leistungen sind auch wie ein Puzzle: Alles fügt sich harmonisch ineinander, ein Teil passt perfekt zum anderen. So entsteht ein rundum erfreuliches und homogenes Bild.
Regisseur Zeno Stanek setzt auf locker-leichte Umsetzung dieses wortwitzigen Stückes mit hohem Unterhaltungspotenzial, vergisst aber nicht auf notwendige Exaktheit und genauen Tonfall in der Personenführung, damit es nicht in Outrage gleitet. Als großartige Nestroy-Darsteller präsentieren sich Andreas Baumgartner und John F. Kutil. Baumgartner als abgewirtschafteter Unternehmer und nun Diener im Haus des Herrn von Scheitermann, der einstmals wiederum Muffls Diener war. Baumgartner gibt dem Muffl Schlauheit und Verschlagenheit des sich Durchschlagenden, und auch jene zynische Bösartigkeit, die er selbst so erklärt: „Das Unglück hat mich so verstimmt, dass ich immer die Wahrheit sag“ – und ist außerdem Couplet-Interpret in beinah’ Sowinetzscher Manier.
John F. Kutil (Scheitermann), ein J.R. der Vorstadtbühne, ist in dieser Rolle genau so dumm und tollpatschig wie es erforderlich ist, trifft den Nestroyschen Ton perfekt, ist begnadeter Couplet-Sänger.

Charmanter Begleiter

Gisela Salcher (Peppi) gewinnt schnell die Herzen des Publikums mit ihrem übermütigen Spiel, ihrer drallen Kokettheit und ihrem großen Herzen. Brigitta Waschnig (Josephine) ist eine wahrhaft madamige Madame und auch superber „zwiderer Engel“.
Großer Gewinn für die ganze Chose ist Gerhard Buchegger (16). Der Akkordeonspieler ist ständig präsenter und doch sehr dezenter und charmanter Begleiter des Geschehens. Viele zusätzliche Couplets in Bearbeitung von Karl Lindner – und mit gekonnt gereimten, politisch aktuellen Inhalten – bereichern diesen empfehlenswerten Theaterabend. (Silvia Nagl, Oberösterreichische Nachrichten)

Vergnügen durch Verwicklungen
Schwanenstadt hat einen guten Draht zu Petrus: Zur Premiere von Nestroys „Frühere Verhältnisse“ am romantischen Stadtteich gesellte sich ein lauer Sommerabend. Genuss pur auch auf der Bühne, wo eine Nestroy´sche Viererbande innerhalb kürzester Zeit für ein Maximum an Verwicklungen – und Vergnügen“ – sorgt.
Mit „Frühere Verhältnisse“ feierte Johann Nestroy 1862 sein Comeback – sowohl als Theaterautor als auch in der Rolle des Muffl. Diese übernimmt in Schwanenstadt „Prinzipal“ Andreas Baumgartner persönlich und stellt sich (endlich!) wieder einmal selbst auf die Bühne. Famos! Brigitta Waschnig spielt die Dame des Hauses. John F. Kutil schwindelt sich charmant, hilflos und bisweilen maßlos outrierend als ihr nicht ganz standesgemäßer Gatte durch die Szenerie. Und dann gilt es noch von der Entdeckung des Abends zu berichten: Gisela Salcher wächst an diesem Abend zum Inbegriff einer Vollblutkomödiantin, geizt weder mit Reizen noch mit Wortspitzen und hält das Schwungrad der Posse ordentlich am Köcheln. Regisseur Zeno Stanek hatte sichtbar Freude an „seinem“ Nestroy, zeichnet auch für Puzzlebühne und Kostüme verantwortlich. Ein wunderbarer Begleiter am Akkordeon: der erst 16-jährige Gerhard Buchegger (Musik: Karl Lindner). (Milli Hornegger, Neue Kronen Zeitung)

Die Kuchlgrazie und der Bankrotteur
Wenn die Enten im Teich hinter der Bühne quaken und die Junikäfer die Köpfe darauf und davor heftig umschwirren, weiß der geübte Theatergeher: Es ist Sommertheaterzeit in Schwanenstadt. Und das seit fünf Jahren – eine Rückkehr zu „früheren Verhältnissen“ ohne Bühne im Stadtpark ist laut Bürgermeister Staudinger nicht in Sicht.
Zu „früheren Verhältnissen“ kehrten dort am Donnerstagabend dafür die Akteure in Nestroys gleichnamiger Posse zurück: Der Bankrotteur Muffl, der sich als „Weinreisender“ bis ganz nach unten soff, verdingt sich just bei seinem früheren Hausknecht Scheitermann als – Hausknecht. Der wiederum musste, um zum Gatten einer reichen Professorentochter aufzusteigen, sich als Realitätenbesitzerssohn ausgeben: ihr „Realitäten vorspielen, sonst besitzert er sie nicht“, wie Muffl unkt, dem es ein Leichtes ist, damit seinen nunmehrigen Herrn zu erpressen. Das Verwirrspiel komplettiert die gescheiterte Schauspielerin Peppi, einst Köchin der Eltern von Frau Scheitermann, die nun als Kuchlgrazie bei der Tochter anheuert und dort auf ihren Ex-Verlobten Muffl trifft.
Am Ende lösen sich alle Irrungen wie in einem Puzzle (auf dem auch als Bühnenbild gespielt wird): Muffl und Peppi kehren als Verlobte zu ihren „früheren Verhältnissen“ zurück. Eine „Win-Win-Situation“, würde man auf Wirtschafts-Neudeutsch sagen.
Der junge Wiener Regisseur Stanek mit dem altösterreichischen Vornamen Zeno hat, so weit es ging, Wienerisches ins Spiel eingebracht. Wobei der köstliche Wortwitz von Großmeister Nestroy auch nach 143 Jahren noch zündet. Wo er das nicht mehr täte, hat Stanek aufs Heute – Politiker wie Kampl oder Gudenus – gemünzte Couplets eingeflochten: Sozialkritik im Sinne des Erfinders (Nestroy). Alles in allem bleibt es aber doch leichte Kost, für deren Gelingen in gleichem Maße die Darsteller verantwortlich zeichnen. Allen voran der herrlich komische John F. Kutil, der als Neureicher die beste Stimme und die meisten Lacher auf seiner Seite hat. Gisela Salcher ist eine dralle, herzhaft-komische Kuchlgrazie, Brigitta Waschnig als blasiert-elegante Dame glaubhaft „etwas Besseres“, Andreas Baumgartner ein ansprechender Muffl. Der 16jährige Akkordeonist Gerhard Buchegger untermalte die 90 Minuten live mit stimmungsvollen „Quetschen“-Klängen. (Andreas Hutter, Neues Volksblatt)

Inszenierung „Frühere Verhältnisse“